E-Books für Familien mit kleinen Kindern während des Lockdowns

Das Zentrum für Lernwissenschaften der EPFL (LEARN) hat eine Trilogie von Bilderbüchern veröffentlicht, die Eltern und Pädagogen dabei helfen sollen, mit kleinen Kindern über die Herausforderungen des Lebens während des Lockdowns zu sprechen – von den Gefahren von Fake News bis hin zur Begrenzung der Bildschirmzeit und dem Kontakt mit geliebten Menschen. Die Geschichten, die in Zusammenarbeit mit einer Coachingfirma und einem Psychiater entstanden, können kostenlos heruntergeladen werden und sind auf Englisch, Französisch und Deutsch erhältlich.
© llustration von Gozde Eyce aus «Oscars Party ist abgesagt»

Das Zentrum für Lernwissenschaften der EPFL (LEARN) wurde 2018 gegründet, um den Einsatz digitaler Technologien in der Bildung zu erforschen und zu fördern. Das Zentrum führt derzeit ein Pilotprojekt durch, das untersucht, wie Ausbildungsprogramme für Lehrpersonen im Kanton Waadt Pädagoginnen und Pädagogen darauf vorbereiten, Computer und digitale Staatsbürgerschaft zu unterrichten und die Technologie im Klassenzimmer zu nutzen. Im Rahmen dieser Initiative hat sich das Zentrum mit der Coachingfirma Edit Change Management zusammengetan, um eine Reihe von Belletristik-Büchern zu entwerfen, die Lehrpersonen helfen sollen, mit ihren Schülerinnen und Schülern über das Potenzial und die Herausforderungen der digitalen Welt zu diskutieren.

«Wir hatten geplant, die Bücher im September 2020 zu veröffentlichen», sagt Prof. Francesco Mondada, akademischer Direktor des LEARN Center an der EPFL.«Aber als die COVID-19-Pandemie zuschlug und der Lockdown kam, stellten wir fest, dass es eine wachsende Nachfrage nach altersgerechten Geschichten gab, um Eltern und Erziehenden zu helfen, Gespräche über Themen wie Isolation und Social Distancing mit Grundschulkindern zu führen.» Die Bilderbuchtrilogie, die von der Autorin Allison Ochs von Edit Change Management speziell für die COVID-19-Pandemie geschrieben wurde, war in nur zwei Wochen zur Veröffentlichung bereit.

© Illustration von Gozde Eyce aus Turn off and tune in

Die drei Geschichten, von denen die erste am 8. April veröffentlicht wurde, verfolgen das Leben von Oscar und Zoe, zwei Kindern, deren Leben auf den Kopf gestellt wird – und die mehr Zeit vor ihren Bildschirmen verbringen – nachdem ihre Schule wegen der Pandemie geschlossen wurde.

Jeder Bildband enthält eine Liste mit Vorschlägen für Aktivitäten wie Spiele, Rezepte und Bastelprojekte sowie eine Reihe von Fragen, die Familien und Lehrerinnen und Lehrern dabei helfen sollen, mit kleinen Kindern über den Lockdown zu sprechen – von der Frage, warum wir alle zu Hause bleiben müssen und wie wir unsere Zeit kreativ nutzen können, bis hin zum Erkennen von Gefühlen und Emotionen und dem Einsatz digitaler Technologie. «Die Trilogie kann kostenlos heruntergeladen werden», sagt Grégory Liégeois, ein Spezialist für digitale Bildung am LEARN Center. «Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, Französisch und Deutsch erhältlich. Wir haben auch eine Audioversion der französischen Bücher für Kinder veröffentlicht, die nicht lesen können, keine französischen Muttersprachler sind oder andere besondere Bedürfnisse haben.»

Die Geschichten sind speziell darauf ausgerichtet, jüngeren Kindern eine sanfte Einführung in die digitale Bildung zu bieten. Sie berühren Themen, die von Fake News und Bildschirmzeiten bis hin zur Kommunikation mit geliebten Menschen aus der Distanz reichen – Fragen, mit denen Eltern in diesen ungewohnten Zeiten in Berührung kommen könnten. Die damit verbundenen Spiele und Aktivitäten am Ende der Geschichten behandeln Themen wie Kodierung, Verschlüsselung und Algorithmen.

Eingabe von Experten

Die Geschichten wurden mit fachkundigem Input des Psychiaters Serge Tisseron, Mitglied der Nationalen Akademie für Technologien Frankreichs (NATF) und Gründer und Präsident von «Apprivoiser les Écrans et Grandir», einer Kampagne, die für die 3-6-9-12-Regel wirbt, um Eltern bei der Regulierung der Bildschirmzeit von Kindern zu unterstützen, erstellt. «Diese Bücher sollen eine offene Diskussion in den Familien über den Einsatz von Technologie anregen», sagt Tisseron in einem begleitenden Erklärungsvideo. «Aber sie sind nicht für unabhängiges Lesen konzipiert. Eltern sollten sie mit ihren Kindern lesen. Ich denke, es ist hilfreich, Eltern daran zu erinnern, dass Kinder ihre eigenen Sorgen und Ängste wegen der Situation haben, die wir durchleben. Sie neigen dazu, sich nach den Emotionen ihrer Eltern zu richten. In diesen beispiellosen Zeiten brauchen sie Beruhigung und Unterstützung.»

Weitere Bücher in Vorbereitung

Bis heute wurden die Bücher Oscar und Zoe über 10 000 Mal heruntergeladen – ein guter Anfang, der das Team für die bevorstehende Arbeit anspornt. «Wir hoffen, bis zum Beginn des neuen Schuljahres im September etwa 15 weitere E-Books für verschiedene Altersgruppen veröffentlichen zu können», sagt Liégeois. «Unser Plan ist es, die Reihe den Lehrpersonen im gesamten Kanton Waadt und langfristig auch den Pädagoginnen und Pädagogen in der ganzen Schweiz und darüber hinaus zur Verfügung zu stellen.» Da die digitale Staatsbürgerschaft eine aufstrebende Disziplin ist, wird das LEARN Center auch ausprobieren, auf welche Art man die Bücher in der Schule nutzen kann, zusätzliche Fortbildungen für Lehrpersonen anbieten und weitere Untersuchungen darüber durchführen, wie Geschichten den Technologieunterricht im Klassenzimmer unterstützen können.

Kostenlose Oscar & Zoe E-Books zum Herunterladen:

Version auf Englisch

Version en français

Version auf Deutsch